Weiterer Spionagefall betrifft das Kanzleramt

Berlin (dcv) – Ausgerechnet eine ehemalige DDR-Agentin soll seit 2005 im Bundeskanzleramt in Berlin für die USA spioniert haben. Diesen dritten Fall von geheimdienstlicher Aktivität durch eine befreundete Nation innerhalb weniger Tage haben die NDW und die Deutsch-Südwest-Zeitung aufgedeckt. Zuvor waren ein Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der Bunten sowie ein Mitglied der Leyen-Truppe als Agenten enttarnt worden. Die Spionin im Kanzleramt soll jedoch nur mit niederrangigen Arbeiten wie dem Kopieren von Vorlagen der Autolobby zur späteren Verwendung in Bundesgesetzen befasst gewesen sein. Um an Dienstgeheimnisse zu gelangen, hörte sie ihr eigenes Handy ab.

Die genaue Identität der US-Spionin (Fahndungsfoto: Kanzleramt) usagbkaist noch unklar. Sie soll aber bei ihrer Tätigkeit Schweißflecken hinterlassen haben, die eine zweifelsfreie Identifizierung ermöglichen könnten. Nach Informationen der recherchierenden Medien hat sich die Agentin so gut getarnt, dass sie in der Regierungszentrale nicht einmal als Mitarbeiterin auffiel. Auf diese Art gelang es ihr sogar, sich mehrfach Zugang zum Plenarsaal des Bundestags sowie zu internationalen Politikertreffen zu verschaffen. Ob sie auch als Sexspionin Informationen abschöpfte, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

Besonders pikant: Bei Sitzungen des Sicherheitskabinetts soll die Verdächtige erfahren haben, wie US-Geheimdienste deutsche Regierungsstellen und Politiker infiltrieren, und diese Informationen dann an US-Geheimdienste weitergegeben haben. Nur dadurch stellten diese fest, dass die US-Geheimdienste praktisch die gesamte deutsche Politik unterwandert haben. Das Bundeskanzleramt wollte den Vorgang weder kommentieren noch zementieren. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gab nur einen kurzen Kommentar ab: „You know me.“

Für welchen der zahlreichen US-Geheimdienste die Spionin tatsächlich tätig war, ist ebenfalls noch unklar. Am wahrscheinlichsten gilt jedoch der militärische Geheimdienst der Heilsarmee. Die Ermittler prüfen jedoch auch, ob die Agentin das US-Nachrichtenportal Buzzfeed mit einem US-Nachrichtendienst verwechselte und die Informationen dorthin weitergab. Festgenommen wurde die Verdächtige bislang nicht. Sie hat sich nach Brasilien abgesetzt.