„Unser heutiges Ziel: Stuttgart-Rommel“

Stuttgarts Tor zur Welt wird verrommelt. Das hat der Gemeinderat beschlossen – konkret: Der Airport der Stadt soll künftig Manfred-Rommel-Flughafen heißen. Damit befolgte der Gemeinderat kein halbes Jahr nach dem Tod des ehemaligen Oberbürgermeisters noch einmal dessen Lebensmotto: „Schauen Sie sich die Kandidaten gut an, und wenn Ihnen keiner so recht gefällt, dann wählen Sie mich!“

Aber es hat sich mindestens ein minimaler Fehler im Vorschlag eingeschlichen: Die eigentlich richtige Bezeichnung für den Startplatz wäre Manfred-Rommel-Flugfeld, weil selbst zu Spitzenzeiten so wenig los ist, dass die Bahn ihre kaputten ICE-Züge auf dem Rollfeld parkt (Foto).

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Die Benennung nach Rommel war hingegen zwingend: Selbst die älteren Stuttgarter erinnern sich noch gerne nicht daran, dass Rommel jener Oberbürgermeister war, der sich dafür aussprach, bei Empfängen das Salz von den Brezeln zu popeln, damit die Leute nicht so viel trinken. Verstärkt wird die Namenswahl dadurch, dass nach Rommel auch eine Klinik, ein Möbel und sogar ein Ort benannt ist: Rommelshausen im Remstal. Das Argument, es bestehe Verwechslungsgefahr mit Rommels Vater Erwin, einem General Hitlers, zieht hingegen nicht: Schließlich gehörte der gute alte Erwin zu den guten Nazis, weil der Gute sich selbst umbrachte – wenn auch etwas spät.

Stimmen, die gemahnt hatten, weltweit bekannte baden-württembergische Erfinder wie Ferdinand von Zeppelin (Luftschiff), Alfred Ritter (Schokoladenquadrat) oder den Ulmer Spatz (schwäbische Spätzle) zum Namenspatron zu machen, wurden nicht gehört. Denn mit der Wahl setzen Stadt und Land die bereits begonnene, logische Abfolge von Erfinder der Fliegerei (Otto Lilienthal – Berlin-Tegel) über Bundeskanzler (Adenauer – Köln/Bonn) und Ministerpräsident (Strauß – München) zu Oberbürgermeister (Rommel – Stuttgart) fort. Der Flughafen Friedrichshafen wird dereinst folgerichtig nach einem früheren Leiter des Liegenschaftsamtes der Stadt Hans-Maier-Flughafen genannt werden, der Baden-Airpark Söllingen nach dem Karlsruher Amtsboten Fritz Schmidt.

Unter Zugzwang stehen nun die Länder Berlin und Brandenburg, wenn ihr Großflughafen 2015 2016 2017 2030 in Betrieb geht: An dem Namen Walter-Momper-Flughafen kommen sie nun nicht mehr vorbei – wer auch immer das mal war.

Von Daniel Völpel