Turmfalken-Turm mit Kellerassel-Keller

In der Stadt Korntal-Münchingen wollen sogar die Vögel türmen. Deshalb hat die städtische Umweltschutzstelle nun nach eigener Mitteilung einen Turm für einen Falken eingerichtet. Dieser neue „Turmfalken-Turm“ befinde sich in einer ehemaligen Weihnachtsbaumschule und werde Mitte Oktober offiziell eingeweiht, heißt es. Klarer Fall von Konversion: Denn im Zuge der Inklusion besuchen Weihnachtsbäume in Baden-Württemberg seit dem vergangenen Jahr Gemeinschaftsschulen.

Mit Gleichbehandlung hat das Ganze dennoch wenig zu tun: Der Wanderfalke wartet noch immer auf einen neuen Rucksack, der Silberfalke auf einen hübschen Ring und der Graubartfalke auf einen anständigen Barbier. Auch sonst bleibt der Umweltschutz in Korntal-Münchingen Stückwerk: Nach wie vor gibt es im Hallenbad keinen Nackt-Bereich für Nacktschnecken, lediglich die Waschräume für die Waschbären wurden erneuert.

Die Streusalz-Vorräte für das Streuobst sind schon jetzt praktisch aufgebraucht. Oder die Sportplätze: die Rennbahn für die Rennmäuse ist in einem erbärmlichen Zustand, die Fangnetze für irrgeleitete Maulwürfe haben Löcher, die Sprungmatten für die Springböcke ebenso. Fahrkarten für die Zugvögel hat die Stadt auch diesen Herbst nicht gekauft, sodass diese erneut die Wege der Wandelröschen verstopfen werden.

Und selbst die zum Turmfalken-Turm umgebaute ehemalige Weihnachtsbaumschule könnte man umweltfreundlicher nutzen: Man müsste nur im Untergeschoss einen Kellerassel-Keller einrichten. Und obendrauf gehört ein Dachbassin für den Dachhai.

Von Daniel Völpel