Tor in München

Nur einen Tag nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Platzvergabe für Journalisten im NSU-Prozess hat das Oberlandesgericht München gehandelt: Wie eine Gerichtssprecherin mitteilte, wird der Prozess gegen die polyamore Neonazi-Angeklagte Beate Zschäpe und ihre vier Mitangeklagten in die Allianz-Arena verlegt. Nur so könne gewährleistet werden, dass jeder der 6345 Journalisten, die dem Prozess beiwohnen wollten, einen reservierten Sitzplatz erhalte.

Auch Befürchtungen, die Medienvertreter könnten ihren Platz verlieren, wenn sie während des Prozesses zur Toilette müssten, sind ausgeräumt: Die Münchner Justiz will nun jedem Reporter einen Beamten zur Seite stellen, der während eventueller Abwesenheiten den Platz warmhält. Um solche Abwesenheiten von Vornherein zu minimieren, werden außerdem alle 30 Minuten Bedienstete mit Popcorn, Hotdogs sowie alkoholfreien Kalt- und Heißgetränken durch die Reihen gehen. Ein Küchenmobil der Polizei (Bild) wurde bereits nach München verlegt.

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Dies hatten die Karlsruher Verfassungsrichter vorgegeben, da nur so die gebotene Öffentlichkeit der Verhandlung gewährleistet werden könne. Dass wie zunächst entschieden nur 50 Pressevertreter reservierte Plätze erhalten sollten, hatten alle Kommentatoren in den vergangenen Wochen einhellig als „nordkoreanische Verhältnisse“ gegeißelt.

Zudem legten die Verfassungsrichter fest, dass der in München geführte Prozess gegen vier deutsche Angeklagte um zehn Morde, Banküberfälle sowie weitere Anschläge quer durch Deutschland in türkischer Sprache abgehalten werden muss. Nur so könne das Informationsbedürfnis türkischer Medien in dem Fall angemessen berücksichtigt werden. Ob Anklage und Verteidigung Simultandolmetscher erhalten, liegt nun im Ermessen des OLG München.

Der Ticketvorverkauf für die übrigen Plätze beginnt am Montag. Anhänger der jeweiligen Seite sollten sich aber vorab bei ihren Fanclubs informieren, wer welche Kurve zugeteilt bekommen hat, rät die Gerichtssprecherin.

Von Daniel Völpel