Start frei für den Euro Quark

Nach dem Debakel um die Aufklärungsdrohne „Euro Hawk“ versucht Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (unbemannt) den Befreiungsschlag: Statt die bislang investierten mehr 500 Millionen Euro abzuschreiben (Codename „Euro Hack“) und das Projekt zu streichen, will er die Drohne so weiterentwickeln lassen, dass sie doch noch zur Einsatzreife gelangt.

Um den bislang mangelhaften Kollisionsschutz zu verbessern, soll das Fluggerät, das wegen des inzwischen vorbelasteten Namens als Projekt „Euro Quark“ fortgeführt wird, für etwa 100 Millionen Euro pro Stück einen Sitzplatz mit einer Glaskuppel erhalten (das Foto zeigt das bislang einzige Modell der verbesserten Drohne). Auf diese Weise könne ein Soldat an Bord während des Fluges Ausschau nach anderen Flugzeugen auf Kollisionskurs halten und den Drohnen-Piloten am Boden per Funk warnen, erklärte de Maizière. Sollte der Plan gelingen, würde die Bundeswehr als erste Armee weltweit über eine bemannte Drohne verfügen.

In einer zweiten Stufe ist aus Sicht des Ministers denkbar, dem mitfliegenden Soldaten – im Militärjargon Drohnadeur genannt – für weitere rund 50 Millionen Euro eine Steuerungskonsole einzubauen. Für den Fall dass die Satellitenverbindung des Drohnenpiloten am Boden ausfällt, könnte der Drohnadeur so via Satellit die Steuerung übernehmen und den Aufklärer sicher landen.

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Eine weitere Revolution der militärischen Luftaufklärung plant der Verteidigungsminister von 2017 an: Bis dahin sollen die Tests mit Westentaschen-Kameras vom Typ Canone Milpix abgeschlossen sein. Verlaufen diese erfolgreich, sei der Drohnadeur in der Lage, bereits während des Fluges von Hand präzise Schnappschüsse vom Geschehen im Bereich der Flugroute auszuführen, die nach der Landung zur Verfügung stehen. Man wäre dann nicht mehr auf Gedächtniszeichnungen angewiesen.

Für eine bewaffnete Drohne, die von 2020 an zur Verfügung stehen soll, können diese Bilder ausgedruckt und dem Insassen mitgegeben werden, sodass dieser beim nächsten Flug chirurgisch einen Stein auf das Ziel fallen lassen kann.

Ob de Maizière diesen Erfolg allerdings noch im Bendlerblock erlebt, ist ungewiss. In Berlin munkelt man bereits, ein solches Genie drohne demnächst im Kanzleramt.

Von Daniel Völpel