Schnee für den Petersdom

Die Reformen von Papst Franziskus wirken so tiefgreifend, wie es bei dessen Amtsantritt vor einem Jahr niemand erwartet hätte. Das belegt eine nun am Flughafen Leipzig-Halle abgefangene Lieferung an den Vatikan: Sie enthielt flüssiges Kokain, verpackt in Kondome. Nicht nur, dass neben Weihrauch jetzt harte Drogen erlaubt sind, um den heiligen Geist zu spüren. Auch die bislang bekämpften Präservative finden offensichtlich den Gefallen der Kirche, solange sie nur beim Zoll die ungewollte Empfängnis des weißen Safts verhindern.

Auf den Vorfall angesprochen reagierte ein Vatikan-Sprecher jedoch seltsam verschnupft: „Das ist Schnee von gestern“, erklärte er. „Das sollten die Journalisten jetzt nicht wieder reflexartig hochziehen. Ich empfehle, sich das bisschen Stoff, um das es geht, in aller Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen.“ Inzwischen meine „jeder Naseweiß“, er könne der Kirche irgendeinen Missbrauch unterstellen, so der Sprecher: „Kinder, Drogen – demnächst schickt man uns womöglich noch falsche Doktorinnen als Botschafter in den Vatikan, nur um uns Titelmissbrauch vorzuwerfen. Wir jedenfalls freuen uns über jede gut gemeinte Zuwendung unserer Brüder und Schwestern in Südamerika.“

Was mit dem beschlagnahmten Kokain geschieht, teilte der Zoll nicht mit. Dem Vernehmen nach will der Freistaat Sachsen eine unabhängige Expertenkommission einrichten. Sie soll Vorschläge erarbeiten, wie man mit der Aufputschdroge verfährt. Dem Gremium sollen unter anderem Moderator Michel Friedmann, Starkoch Eckart Witzigmann und Fußballtrainer Christoph Daum angehören.

Von Daniel Völpel