Perfekt verkleidet durch den Sommer

Mit den Temperaturen steigt in den Redaktionen die Einfallslosigkeit. Aber ein Thema bleibt: der Sommer! Alle reden darüber und man muss nicht recherchieren. Denn was liegt näher, als einfach aus dem Vorjahr die Kleidungstipps abzuschreiben – Klimawandel hin, gesellschaftlicher Wandel her, Vorgaben nach der Arbeitsstättenverordnung schnurz. Weil der Aufwand selbst für Modebewusste zu groß wäre, die Äußerungen sogenannter „Benimm-“ oder „Stilexperten“ im Büroknigge bei 25 verschiedenen Medien zu lesen (Links willkürlich) und zu vergleichen, fassen wir hier die Quintessenz zusammen:

Männer sollten bei sommerlichen Temperaturen eine Burka tragen, da ihr Anblick generell als so hässlich und störend empfunden wird, dass jedes sichtbare Stück Haut bei Mitmenschen zu Augenkrebs und sofortiger Erblindung führen könnte. Perfekt gekleidet ist man(n), wenn er die Ganzkörperverhüllung mit Stiefeln und Kniestrümpfen kombiniert.

Tragen Frauen mehr als Hotpants, gilt das als sexistischer Rückfall in die Steinzeit und Zeichen von Unterdrückung. Schließlich sollte jede weglassen dürfen, was sie will, ohne dass das als sexuell aufreizend empfunden wird – unabhängig von Alter, Figur und Körperbeschaffenheit. Im Hochsommer trägt frau daher korrekterweise ein Tattoo und sonst nichts.

Benimmexperten sind für alle Temperaturen perfekt gerüstet, wenn sie von Mai bis September einen Knebel tragen. Sollte ihnen in dieser Zeit ein sinnvoller Vorschlag für den Sommer einfallen – egal. Es gibt da noch einen Text aus dem Vorjahr.

Von Daniel Völpel