->

Aus der Bildermachmaschine LXIX

20160509_090607

…und im Neuen Stuttgarter Weg wächst die Geografie-Schwäche: Bogotá oder Caracas – Hauptsache Rio!

Foto: Daniel Völpel

Das Märchen vom Königreich der Geisterkutschen

Es war einmal ein wohlhabendes Königreich, in dem alle Bewohner mit Kutschen fuhren: Jung und Alt, Reich und Arm. Zwar waren die Kutschen unterschiedlich groß und nicht alle gleich prächtig verziert, eines aber war allen gemeinsam: Sie ratterten und machten einen furchtbaren Krach, der viele Menschen krank machte. Und sie stanken und wirbelten so viel Dreck in die Luft, dass Tausende Menschen daran erstickten.

Eines Tages vor langer Zeit kamen weise Handwerker aus dem Land der aufgehenden Sonne und boten Kutschen feil, die leiser fuhren und weniger Dreck machten – aber kaum jemand wollte sie haben. Denn die feisten Kutschenbauer aus dem Königreich riefen aus: „Kauft königlich, die Eindringlinge streuen Euch Sand in die Augen! Wir sind die besten, unsere Kutschen die zuverlässigsten, mit keiner kommen Ihr weiter – selbst wenn Ihr jeden Tag nur zweimal zum Kindergarten und zum Supermarkt müsst!“ Und so blieb es laut und dreckig und noch mehr Menschen starben.

Eines Tages vor einigen Jahren kamen Kutschenbauer aus den welschen Landen und priesen ihre Vehikel an: Leise und vollkommen sauber seien sie. Doch wieder riefen die privilegierten Herren Kutschenbauer: „Seht her! Jene Fuhrwerke sind schlecht gebaut und bleiben unterwegs stehen!“ Und schnell bauten sie in ihre Landauer, Cabriolets und Jagdwagen allerlei Zierat, Glöckchen und Windspiele ein, um den Lärm zu übertönen und die dreckigen Lüfte zu verwirbeln. Und so blieb es laut und schmutzig und noch mehr Menschen starben.

Wieder einige Zeit später kam ein Kutschenbauer aus der neuen Welt, der sagte: „Sehr her! Meine Kutsche ist komfortabler als alle anderen, agiler als alle anderen, sauberer und leiser als alle anderen und sie fährt nicht nur genauso weit, ich schenke Euch sogar noch mehr Reichweite mit kostenlosen Pferde-Wechselstationen!“ Doch die verbrecherischen Kutschenbauer des Königreiches hatten sich die Herolde, Büttel und Ausrufer leibeigen gemacht. Diese verkündeten allüberall: „Kauft nur die Kutschen aus teutschen Ländereien! Wir haben sie getestet und für die besten befunden!“ So blieb das Königreich laut und dreckig und weitere Menschen starben, bis einige grüne Wichte aus dem Umweltwald beschlossen, jeden Provinzfürsten vor die peinliche Halsgerichtsbarkeit zu zerren, der das Treiben duldete – auf das er gefoltert würde, bis er abdanke bei vollen Bezügen.

Nun erhoben sich die bislang schweigsame Königin der Rauten und ihr ergebener erster Minister, der Truchsess Klops, und luden alle Kutschenbauer des Königreiches vor: „Ihr sollt“, verkündeten sie, „fürderhin nur derer Kutschen verkaufen, die ein bisschen weniger Dreck machen und vielleicht ein bisschen leiser sind. Und jeden, der ein solches Fuhrwerk erwirbt, wollen wir vom Maientage an mit Gold und Geschmeide überhäufen, von welchem Ihr den Zweiten beizutragen habt!“

Da schlichen die Kutschenbauer bedrückt von dannen, denn sie wussten, dass sie lange brauchen würden, bis ihre Droschken so gut werden würden wie die der anderen. Die Herolde aber und die gekauften Büttel geiferten und schrien gegen ihre bisherigen Herren: „Gold und Geschmeide sind dem Volk gestohlen! Mägde und Tagelöhner müssen für die prunkvollen Kutschen des Geldadels bezahlen!“ Obwohl jene Reichtümer einst eingelagert worden waren, um Mensch und Umwelt Wohlgefallen zu bereiten.

Und so ward die Luft im Königreich von noch größerem Geratter erfüllt als je zuvor, und noch mehr Dreck senkte sich auf Seen und Wälder, in die Nasen der Kinder und die Lungen der Alten. Und kein Untertan konnte des Nachts mehr schlafen, und alle starben einen frühen Tod. Die bösen Kutschenbauer aber hatten vorgesorgt: Noch bevor dem letzten ihrer Gesellen der letzte Zug seines dieseligen Pesthauchs entfuhr, hatten sie eine Karosse erfunden, die ohne jeden Kutscher knatterte und qualmte ohne Unterlass. So entstand das Königreich der rasenden Geisterkutschen. Und wenn sie keiner anhält, dann fahren sie bis in alle Ewigkeit.

Von Daniel Völpel

Aus der Bildermachmaschine LXVIII

Nicht vergessen, am 8. Mai ist Muttertag!

Wenn das kein schönes Geschenk ist!

Foto: Marius Völpel

Das Glas ist rund

Zwei Männer um die 20, Base-Cap und Baggyhosen, betrachten spätabends im Bus die Horden angetrunkener dirndl- bzw. lederhosentragenden Besucher des Stuttgarter Frühlingsfests. Fahrgast 1: „Niemals im Leben würde ich mir…

Aus der Bildermachmaschine LXVII

Manche Trios spielen einfach so gut – man glaubt fast, sie seien ein Duett! Foto: D. Harting

Genschman vs. Sensenman: The Final Call

… jetzt nicht im Kino! Von Daniel Völpel

In eigenartiger Sache

Wie jüngst bekannt wurde, haben westliche, vor allem auch deutsche Medien sich in unverantwortlicher Weise über den Präsidenten der Türkei lustig gemacht, ihn kritisiert oder auf andere Weise über ihn…

Nach dem Terror: EU ändert Türkei-Deal

Brüssel (dcv) – Als Reaktion auf die Terroranschläge in Brüssel hat die Europäische Union ihre gerade erst inkraft getretene Vereinbarung zur Reduzierung des Füchtlingsaufkommens angepasst: Alle Menschen, die vor dem…

Das Parlament ist rund

Allein 1,2 Millionen Menschen in drei Bundesländern ist Politik zu kompliziert, um demokratische Parteien zu wählen. Deshalb hier der Kommentar zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt in einer…

AfD-O-Mat

„Ich bin kein Rassist, aber ich hasse Ausländer, Flüchtlinge, Schwule, Schwarze …“ – wer sich mit derartigen Gedanken trägt, dem fällt die Entscheidung bei den anstehenden Landtagswahlen schwer: „Vertritt die…