Minister: Bauern sollen auf Hagelanbau umstellen

Stuttgart (dcv) – Angesichts der ausgezeichneten Ertragslage beim Hagel in diesem Sommer hat der baden-württembergische Agrarminister James Bonde (Grüne) die Bauern aufgefordert, nicht länger über Verluste beim Getreide- oder Weinanbau zu jammern, sondern ihre Produktion auf die weiße Himmelsfrucht umzustellen. „Im Hagel liegen bislang völlig verkannte Potenziale“, erklärte der Minister in Stuttgart. Dies habe die mehrjährige Forschung auf einem Freiland-Versuchsfeld (Foto) belegt.

hagelanbau

So könnten aus Hagel beispielsweise zu 100 Prozent biologisch abbaubare Golf- und Tennisbälle sowie Hühner- und Taubeneier hergestellt werden. Auch in der metallverarbeitenden Industrie ergäben sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, etwa bei der Umformung glatter Oberflächen in gewellte. Kaltgepresster Hagel lasse sich als erstklassiges Erfrischungsgetränk verkaufen. Geschroteter Hagel gelte als wichtige Grundzutat einer vollwertigen Ernährung.

Der Verband der italienischen Eiscafés in Deutschland begrüßte den Vorstoß. Wenn es den Hagelabwehr-Fliegern gelinge, die Gewitterwolken mit Schokostückchen statt mit Silberjodid zu impfen, seien seine Mitglieder dankbare Abenehmer für Hagelkugeln, teilte der Verband mit. Diese würden dann als kalorienarmes Stracciatella-Eis verkauft.

Kritik übte dagegen die Südzucker AG. Sie befürchtet eine Verwässerung des Reinheitsgebotes für Hagelzucker und Engpässe beim Zuckerrüben-Anbau. „Hagelverarbeitung ist kein Zuckerschlecken“, polterte ein Unternehmenssprecher. Rüben mit Hagel zu beschießen, um die begehrte Bäckerei-Zutat zu erhalten, sei ein komplexer technischer Vorgang. „Wolkige Vorschläge helfen da nicht weiter.“