Komapädagogik

Stürzt eine Lehrerin im Bierzelt nachts beim Tanzen von der Bank, so ist dies ein Dienstunfall und der Steuerzahler hat für die Kosten aufzukommen, so hat das Verwaltungsgericht Stuttgart jüngst entschieden. Das Fest- und Kultusministerium Baden-Württemberg hat schnellstens reagiert und in einer Handreichung für Lehrer klargestellt, wann gemäß aktueller Rechtslage ein Dienstunfall vorliegt. Demnach hat eine Lehrkraft auch Anspruch auf Försorge, wenn sie im Bierzelt-Abort eine Kopfverletzung erleidet, weil beim sich Übergeben der Klodeckel herunterklappt. Handelt es sich doch um ein dienstliches Besäufnis, da Pädagogen ihren Schülern die Auswirkungen übermäßigen Alkoholkonsums nahebringen müssen.

Kommt es im alkoholisierten Zustand infolge eines amourösen Zwischenfalls auf nämlicher Toilette zu einer Schwangerschaft, so ist der Staat für das daraus folgende Kind unterhaltspflichtig. Denn nur, indem Lehrkräfte gewissenhaft prüfen, ob in den Nebenräumen der Festzelte Gefahren für die Schüler bestehen, kommen sie ihrer Aufsichtspflicht nach. Dazu zählt auch die Gefahr einer ungewollten Schwangerschaft.

Stürzt eine Lehrerin oder ein Lehrer aus der Wilden Maus, so handelt es sich ebenfalls um einen Unfall im Sinne des Gerichtsurteils während eines „durchaus üblichen und sozialadäquaten“ Verhaltens von Lehrkräften. Denn, so die Richter: Wenn sich Lehrer dem Gruppenzwang ihrer Schüler verweigern, würden sie „dadurch zwangsläufig ins Abseits geraten“ und distanzierten „sich ostentativ von ihren Schülern“. Schlimm, denn: „Das wäre mit ihrem pädagogischen Gesamtauftrag aber nicht ohne Weiteres zu vereinbaren“ (Az.: 1 K 173/13).

Aus diesem Grund hat das Kultusministerium angekündigt, für das kommende Schuljahr alle Lehrpläne zu überarbeiten. Inhalte werden nicht mehr vorgegeben. Schließlich sollen sich die Lehrer dem Gruppenzwang ihrer Schüler beugen, um ihre Pflichten zu erfüllen. Also: Kein Sport, kein Mathe, kein Blockflöten-Unterricht und in Deutsch nur noch whatsappen.

Die Kommunen im Land freuen sich bereits über Millionen-Einsparungen: Wenn die Schüler bestimmen, wo es lang geht, werden die Klassen bei McDonald’s (Real-/Werkreal-/Unreal-/Irreal-Schulen), Burgerking (Gymnasien) oder Ikea-Bälleparadies (Grundschule) rumhängen. Die Schulgebäude können dann abgerissen und die Grundstücke als Festplätze vermietet werden.

Von Daniel Völpel