Hausfrauenlogik

Weil Angela Merkel weder Schwäbin noch Hausfrau ist, aber mit der schwäbischen Hausfrau als Beispiel solider Finanzführung hausieren geht, ist die schwäbische Stadt Gerlingen nun weltweit bekannt. Denn die Deutsche Welle (DW), der einheimische TV-Sender für den ganzen Globus, hat entdeckt, dass die schwäbische Hausfrau im Gerlinger Stadtmuseum putzt und bruddelt. Die ist zwar nur eine kostümierte Schauspielerin. Aber Gerlingen erscheint ja auch nur dann als sparsam, wenn man nicht hinter die Rathausverkleidung schaut, ist in Wahrheit aber dank einiger Multimillionäre einfach stinkreich.

Dennoch taugt die Hausfrau dazu, den Südeuropäern via DW mit hochdeutschen Untertiteln zu erklären, dass das schwäbische Motto „Liebe vergeht, Hektar besteht“ lautet. Also sparsam interpretiert: Wenn die mit zwei Billionen Euro verschuldeten Deutschen Europa nicht mehr lieben, müssen die mit 315 Milliarden Euro verschuldeten Griechen hektarweise Land verkaufen, damit die geliebten Banken Geld bekommen.

Wer sich den kürzlich ausgestrahlten Film aufmerksam ansieht, erfährt zudem vom Lieblingsbanker, dass die Gerlinger bei der Volksbank Strohgäu ihre Euro aus Angst in Norwegische Kronen umtauschen. Was zur Folge hat, dass der Chef der „größten Metzgerei des Ortes“, schon gar nicht mehr weiß, dass er überhaupt Erspartes hat. Dafür darf er den Südeuropäern hinter ihre abgemagerten Ohren schreiben: „Der Wille, dass man selbst was auf die Beine stellt, muss da sein.“

Die Führungen mit der kostümierten Hausfrau finden übrigens weiterhin statt. Und weil die Schwaben nicht nur deshalb etwas sind, weil sie sich die harte Arbeit sparen und südeuropäische Gastarbeiter ihre Mercedes, Porsche und Bosch-Bohrhämmer bauen lassen, sondern auch, weil sie es von den Lebenden nehmen, kostet der Rechenkurs fünf Euro – beziehungsweise 36,40 Norwegische Kronen oder drei Hektar von Korfu.