Halb debil

Als „Halbwesen“ hat die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff durch künstliche Befruchtung entstandene Kinder beschimpft und die Methode bei einer Rede in Dresden „widerwärtig“ genannt. Für die Halbhirnträgerin sind jene Kinder „halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas“. Während sich halb Deutschland wundert, welche Halbverrückten Büchner-, Bachmann- und Kleist-Preise bekommen, reagierte der Verband der Hobbits in Deutschland empört. „Wir sind zwar Halblinge, aber wir verwahren uns dagegen, als Weißnichtwas beleidigt zu werden“, erklärte ein Sprecher der Harfüße.

Unterstützung für ihre Halbwahrheiten erhielt Lewitscharoff dagegen vom bayerischen Halbkaiser Horst Seehofer. Der CSU-Vorsitzende engagiert sich nach eigenen Angaben seit Jahren persönlich dafür, dass keine Frau in Deutschland künstlich empfangen muss. Auch die halb organisierten Gegner des baden-württembergischen Bildungsplans für sexuelle Toleranz an Schulen sprangen der Literatin halbherzig bei: „Wer seine Kinder künstlich macht, macht sie auch schwul“, hieß es im offiziellen Nachrichtenorgan für halb Debile „politically incorrect“.

Auf ein geteiltes Echo stieß auch die halbgare Forderung der Schriftentstellerin, Selbstbefriedigung zu verbieten. Die Gewerkschaft der Polizei erklärte: Ein Onanieverbot sei ohne zusätzliche Stellen bei der Vekehrspolizei nicht zu überwachen. Außerdem befänden sich auch in den Reihen der Ordnungsverhüter einige überzeugte Wichser. Die Piratenpartei wandte sich strikt gegen ein Verbot der Onanie: „Wo sollen unsere Mitglieder bitteschön Sexualpartner finden?“, zeigte sich Parteichef Thorsten Wirth entsetzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte eine Stellungnahme ab. Bei diesem Thema erwische man sie mit heruntergelassenen Hosen, erklärte ihr Sprecher.

Casual-Dating-Agenturen und der Verband Deutscher Puffbesitzer begrüßten dagegen den Verbotsvorstoß. „Wir können die öffentliche Erektion nicht verstehen“, sagte Halbweltkönig Jürgen Rudloff. Er wäre allerdings nach eigener Aussage froh, er hätte noch ein paar Halbwesen mehr, die er als Türsteher engagieren könnte.

Von Verlagen, Schriftstellerkollegen, Vertretern des Literatur- und Kulturbetriebs waren dagegen bislang keine Stellungnahmen zu erhalten. Da es bereits aufs Wochenende zugeht, haben sie alle Hände voll in der Hose.

Von Daniel Völpel