Gut geschmiert

Afghanistan leidet laut einer UN-Studie unter allgegenwärtiger Korruption, berichtet Spiegel Online und nennt Beispiele: Ein Führerschein ohne Prüfung kostet 180 Dollar, ein Durchwinken an der Sicherheitskontrolle ohne Überprüfung 20 Dollar, eine Entlassung aus dem Gefängnis ohne Unschuld 60.000 Dollar, ein Gang über den Dorfplatz ohne Burka in ländlichen Gegenden das Leben.

Klingt schlimm, ist es aber nicht, wie der Vergleich mit Musternationen wie Deutschland zeigt: Hier verlangen Fahrlehrer locker 1000 Euro für einen Führerschein mit Prüfung. Für die Weiterfahrt an einer Kontrolle werden meist deutlich mehr als 20 Euro fällig, mit Überprüfung. Ein Tag arbeiten mit Burka kostet den Job. Nur Entlassung aus dem Gefängnis mit Schuld gibt’s gratis und noch 50.000 Euro obendrauf, wenn man beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte klagt. Eine regelrechte Hyperinflation verzeichnet die Korruption in der deutschen Politik: Eine Mehrwert-Steuersenkung kostete im Jahr 2009 knapp zwei Millionen Euro, vor der Jahrtausendwende bekam man für die Hälfte noch einen extrabreiten Bundeskanzler plus Rüstungsdeal gratis. Ein Viertel ihres Einkommens wenden die Afghanen im Durchschnitt für Schmiergelder auf. Die gehen vor allem an Staatsdiener. Bei den Deutschen sind es je nach Einkommen bis zu 50 Prozent.

Allerdings hat man sich hierzulande ein ausgeklügeltes System ausgedacht: Während in Afghanistan jeder Beamte selbst einsammelt, erledigen das in Deutschland sogenannte Finanzbeamte zentral. Anschließend wird das Geld unter allen Bediensteten verteilt. Auf europäische Hilfe bei der Umorganisation des Staates setzt Afghanistan nun, wenn auch nicht auf deutsche. Gestern trafen die ersten fünf sizilianischen Korruptionsexperten in Kabul ein. Zur Begrüßung erhielt jeder eine echte Rolex.

Von Daniel Völpel