Gläubige Ballisten feiern den USAGER

Rio (dcv) – Mit rituellen Feiern sorgen die Gäubigen der Religion des Ballismus für Ausnahmezustand in Deutschland. Denn der heutige USAGER gilt als einer der höchsten Feiertage des ehemals christlichen Abendlandes. An diesem sogenannten „Spieltag“ erreicht der Ballisten-Festmonat Rahnwarda einen seiner Höhepunkte. Millionen Gläubige kommen pünktlich zum Abendmahl auf öffentlichen Plätzen zusammen, um vor Fernsehern einen Götzedienst unterm Großkreutz zu feiern. Sie erinnern damit an das Wunder von Bern im Jahr 1954. Damals hatte der Prophet Helmut Rahn aus dem Hintergrund einen normalen Fußball verwandelt und damit alle Ballisten von ihrer Kollektivschuld erlöst, die sie zuvor auf sich geladen hatten. Noch heute treten zahlreiche junge Männer dem Orden Deutsche-Fußball-Bruderschaft (DFB) bei, um ein Leben in der Nachfolge der Religionsgründer zu führen. Den normalen Gläubigen gelten diese als verehrungswürdige Heilige.

Das Ritual beginnt mit dem Ball des Anstoßes. Um die Qualen nachzuerleben, die die Märtyrer erdulden, während sie von einem Löw getrieben gegen die Feinde ihrer Religion anrennen, geißeln sich radikale Ballisten selbst: Sie schlucken Lebensmittelabfälle. Die daraus resultierenden Schmerzen ertragen sie nur, indem sie sich an einem meist bitter schmeckenden Getränk berauschen. Dieses wird in einem feierlichen Ritus unter den Rufen „oas, zwoa, gsuffa“ eingenommen.

Der Ballismus bedient sich diverser Elemente anderer Religion, wie etwa der heiligen Dreieinigkeit aus Fußballgott, König Fußball und dem Mannschaftsgeist oder dem Sabbat, an dem strenggläubige Ballisten alle Arbeit ruhen lassen, um zum „Stadion“ genannten Ortsheiligtum zu pilgern. Der höchste Gott der Ballisten ist wie bei allen Germanen Thor. Für ihn betet man um Hammerschüsse. Das Ritual des Freyastoßes begleiten die Jünger mit anschwellendem Raunen. Dieses soll dem Glauben nach Freya den Weg weisen, damit ihr Stoß bei Thor landet. Mit inbrünstig geschrienen Gebeten hoffen die Gläubigen, Lahm wieder gehend oder Blinde (Schiedsrichter) wieder pfeiffend zu machen. Um Thor gewogen zu stimmen, verlangt die Religion eine hohe Geldspende an alle, die das Symbol des Balls auf ihren Reliquien tragen.

Die Trennung von Staat und Kirche ist während des Rahnwarda aufgehoben. Politiker bekennen sich öffentlich zum Ballismus und eifern darum, einem der Heiligen nahezukommen. Das höchste Streben jedes Gemeindemitgliedes ist der erlösende End-WM-Sieg. Doch wo der Glauben wächst, blüht auch der Aberglaube: Die wochenlange Verzückung der Massen während des alle vier Jahre stattfindenden Rahnwarda nutzen unzählige Beutelschneider, Nepper und Schwindler, um den Entrückten mit Tand, Trödel und gequirltem Gekröse den WM-Sieg zu versprechen – ohne tatsächliche Hoffnung auf Erleuchtung.

Nach den etwa zwei Stunden dauernden Fürbitten für ihre Heiligen zelebrieren die Ballisten eine feierliche Prozession. Weil die meisten Ballisten anders als ihre Idole schlecht laufen können, vollführen sie den Festzug unter Lobpreisgesang in bunt geschmückten Wagen, in denen sie ihre Hupen vorführen.