Gesungene Geheimbotschaften

Die intimsten Geheimnisse reifer Regierungsstellen verrät das neue Reich des Bösen, das Internet. Seit bei Wikileaks Hunderttausende von Botschaften aus den US-Botschaften zu finden sind, ist Deutschland vor der Welt blamiert. Weil nun alle wissen, dass Guido Westerwelle unser Außenminister ist.

Noch verheerender als diese Information selbst ist deren Herkunft, also wer gesungen hat: Die Einwohner des kleinen Städtchens Korntal-Münchingen waren es. Denn an der örtlichen Musikschule gibt es einen CIA-Chor. Fraglich, ob es eine gute Tarnung ist, ein chorspiratives Ensemble nach dem US-Geheimdienst zu benennen. Klar aber, dass der CIA-Chor die Staatsgeheimnisse wie der Spatz vom Dach trällert: „Swinging Christmas“ (englisch!), heißt die alljährlich kurz vor Weihnachten gesungene Veröffentlichung vertraulicher Botschaften unter dem Deckmantel eines Konzerts in einer Kirche (unverdächtiger Treffpunkt!).

Achten Sie darauf, welche verschlüsselten Nachrichten der Chor singt: „Süßer die Glocken nie klingen“ – die Steuern steigen. „Ein Kindlein liegt in dem armen Stall“ – der Hartz-IV-Satz sinkt. „Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätä“ – Guido Westerwelle wird Bundeskanzler.

Von Daniel Völpel