Geist aus dem Ball

Ganz Deutschland atmet auf: Endlich wieder ohne Maske auf den Boden spucken! Endlich Samstagsnachrichten ohne Relevanz! Einen Grund zum Grölen beim Trinken! Die Fußball-Bundesliga startet aus der Coronapause.

Entscheidende Szene zum 0:0 im Geisterspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 am 26. Spieltag im Park einer Versicherung.

Wochenlang waren waren die geistig ohnehin benachteiligten Profifußballer dazu verdammt, ihr Leben in engen, dunklen Villen zu fristen, während sich medizinisches Personal täglich im Feld beweisen durfte, Eltern im Homeoffice in packenden Zweikämpfen gefordert waren, Kassiererinnen wie Verkäuferinnen mit äußerster Kraft um Siegprämien rangen und Altenheimbewohner für den Aufstieg das Letzte gaben.

In einem Akt beispielloser Solidarität hatte sich die deutsche Bevölkerung bereits dazu entschlossen, den fußlahm gewordenen Balltretern so zu helfen wie sonst nur CO2-Herstellern: 300 Millionen Euro stellten Haushalte und Betriebe in Deutschland zur Verfügung – eingesammelt und überwiesen über den bewährten Service des Rundfunkbeitrags. Traditionell dient der – der Name verrät es – zu etwa zehn Prozent dazu, den Profit-Fußball zu fördern.

Nur wer gedacht hatte, dafür zahlen zu dürfen, endlich keinen Fußball mehr sehen zu müssen, sieht sich jetzt getäuscht. Weil Reklame-Tafeln, -Pullis, und -Maskottchen zuletzt kaum im Fernsehen zu sehen waren, setzten die Schein-Geister der Liga nun über Parteibande den Wieder-Anpfiff durch. Wenn auch mit einem Hygieneplan, der alle unwesentlichen Elemente aus den Spielen streicht: Zuschauer.

Gelingt das Experiment, sollen weitere systemrelevante Bereiche auf ähnliche Weise wiederbelebt werden: Nach einer zweiwöchigen Hotel-Quarantäne aller Besucher könnte das Münchner Oktoberfest doch stattfinden. Mit vorherigem, intensiven Training ausschließlich in Kleingruppen dürften Prostituierte wieder auf Kunden treffen. Und dank regelmäßiger Tests in der Kabine wäre der Besuch der Sauna wieder möglich. Wenn trotz dieses Lockerlebens die Zahl der Corona-Kranken nicht mehr steigt, dann öffnen Ende des Jahres vielleicht sogar noch die Kinderbücher.

Von Daniel Völpel