Europäische Kampfdrohne kommt

Spätestens am Abend des 25. Mai wird feststehen, welche Drohne die europäischen Staaten für die nächsten Jahre anschaffen. Das ist seit dem Start der viertägigen Findungsphase am heutigen Morgen in den Niederlanden klar. Gesucht wird ein Ersatz für die portugiesische Barroso. Manuel gesteuert, fiel sie zuletzt mit Stabilitätsproblemen aus und erscheint selbst über Steuerharmonisierung als nicht deregulierbar.

Erst in dieser Woche war bekannt geworden, dass ein multinationales Firmenkonsortium aus Deutschland, Frankreich und Italien an dem gemeinsamen Rüstungsprojekt MALE (engl.: männlich, ital.: schlecht, dt.: zeichne ein Bild) arbeitet. In der engeren Auswahl sind zwei Modelle: Die auf einer deutschen Entwicklung beruhende Martin Würselen Mk. II sowie die technisch bereits überholte Juncker Ju 54 aus luxemburgischer Produktion. Letztere gilt als kritisch, weil sie häufig eine deutlich sichtbare Rauchspur hinter sich her zieht. Dies würde die Ortung durch den Feind erleichtern. Ihre Befürworter argumentieren, dadurch würden  hitzegesteuerte Knallköpfe abgelenkt.

Die Martin Würselen Mk. II befindet sich im OLYMPUS DIGITAL CAMERAEntwicklungsstadium, weshalb lediglich Bilder von Bauplänen existieren (Foto). Anders als die Ju 54 soll sie aber über eine Glatze verfügen, was  Geschwindigkeit und Reichweite erhöht. Die Sensoren sind an insgesamt sieben Öffnungen im Kopf der Drohne untergebracht. Sie verfügt über ein einzelnes SPE-Triebwerk mit 190 MdE Schub. Die Ju 54 bringt mit dem EVP 245 mit optionaler Lachgaseinspritzung deutlich mehr Druck in die Flügel. Die Dienstgipfelhöhe wird für beide mit bis zu acht EU- und vier G8-Gipfeln im Jahr angegeben.

Identisch ist beiden Drohnen eine Doppelglas-Visieroptik. Sie ermöglich das gleichzeitige Anpeilen von mehreren auf sie gerichteten Mikrofonen selbst aus etlichen Metern Entfernung bei geschlossener Wolkendecke. Beide Drohnen sollen allwetteruntauglich und nachtverhandlungsfähig sein. Sie müssen über Hire-and-Fire-and-Forget-Bewaffnung verfügen, die es ihnen ermöglicht, die Lufthohheit über den Stammtischen zu erringen. Außerdem müssen sich beide Modelle problemlos von jedem beliebigen Ort fernsteuern lassen, egal ob aus dem Frankfurter Bankenviertel, dem Berliner Kanzleramt oder vom Verband der Automobilindustrie.

In einer zweiten Ausbaustufe soll die siegreiche Drohne ihre Steuerungsbefehle über den Datenlink TTIP direkt aus den USA erhalten. Vor allem diese Überlegung sorgt in Deutschland für Vorbehalte, seit im vergangenen Jahr der Betrieb der US-Spionagedrohne Angie Hawk zu einem finanziellen Fiasko geriet.

Von Daniel Völpel