Erstes Schwarzwald-Dorf wird zugeschüttet

Gut zwei Jahre, nachdem der baden-württembergische Vize-Ministerpräsident Nils Schmid das Ziel ausgegeben hatte, den Schwarzwald angesichts des demografischen Wandels der Natur zu überlassen, macht die erste Kommune Ernst: Der Gemeinderat der Stadt Horb (Kreis JWD) hat nun beschlossen, den Teilort Talheim mit dem Aushub des Stuttgarter Bahnhofssumpfs aufzufüllen. Den verbliebenen Bewohnern soll als Ausgleich ein Zivilisationskurs angeboten werden, um ihnen ein Leben im städtischen Umfeld zu ermöglichen.

Dazu hat das Göthe-Institut (benannt nach dem Film „Fack ju Göthe“) ein Pilotprojekt entwickelt, das bei Erfolg in allen aufzulassenden Dörfern aufgelegt werden soll. In dem Kurs lernen die Eingeborenen beispielsweise Verkehrsregeln wie Tempolimits kennen. Sie üben die Benutzung einer Fußgängerampel und erfahren, wie man sich über Sprache verständlich macht. Schritt für Schritt bereiten sie sich auf die Beschleunigung ihrer Computer und der Kommunikation vor, wenn sie in eine Gegend mit schnellem Internetzugang übersiedeln. Zusätzlich erfahren sie praktische Dinge für den Alltag – beispielsweise, dass Geschäfte vielerorts heutzutage durchgehend geöffnet haben, dass im Theater nicht nur Bauern auftreten und dass man zum Gruß nicht mehr die ausgestreckte Rechte hebt.

Diejenigen, die einen Umzug ablehnen, sollen kostenlos Vitamin D erhalten, um den Mangel an Sonnenlicht auszugleichen, der durch das Leben im Untergrund entstehen wird. Das Ministerium für Ländlichen Raum rechnet damit, dass insbesondere die Anhänger der Trendsportart „Wurzeln schlagen“ sich weigern werden, ihre Häuser zu verlassen. Auch könnten einige Talbewohner damit überfordert sein, plötzlich einen weiten Horizont zu haben. Ob der zukünftig entstehende Talheimer Forst Bestandteil des Nationalparks Nordschwarzwald wird, ist noch unklar.

Von Daniel Völpel