Ein Sprint vom Wahnsinnsrind

Wenn der eine oder andere Ditzinger am Wochenende seinen Sonntagsbraten riechen wollte, so musste er das auf dem Bauernhof tun. Denn beim Metzger in der Mittleren Straße ist am Freitag der Schlachtraum leer geblieben. Der Grund dafür war eine rasante Kuh, nennen wir sie Yvonne II.

Nach ihrer üblichen Morgentoilette stieg Yvonne II. in einen Anhänger, der sie, ohne dass sie je den Wunsch geäußert hätte, zu jener Metzgerei brachte. Weil aber die gar nicht blöde Kuh so viel Lust aufs Schlachten hatte wie der Bock aufs Messer, nahm sie ihre Hufe in die Hörner und sauste die Münchinger Straße entlang in den Schlosspark. Das gefiel den braven Ditzingern gar nicht. Man blies zur Kuhhatz. Gleich ein halbes – noch nicht dreckiges – Dutzend Cowboys schickte die Polizei. Mit Autos wurde der Park abgesperrt. Doch selbst von einer Tierärztin ließ sich Yvonne II. nur etwas betäuben.

Zwei Stunden lang dachte sie sich „gut Dung will Weile haben“, dann wurde Yvonne II. des Schlossparks überdrüssig. Sie ließ sich vom versammelten Hofstaat aus Polizei, Bauhofmitarbeitern und der Leibärztin in ihre Kutsche geleiten. Die Fahrt der nun heilig gewordenen Kuh führte zurück zum Bauernhof, weil betäubte Tiere nicht geschlachtet werden dürfen.

Und die Moral von der Geschicht’: Wenn Kuh sich Drogen in den Euter pfeift, ihr Hüftsteak auf der Weide reift; und Metzgersmann vergeblich wetzt, weil Rind im Wahn von dannen hetzt.

Von Daniel Völpel