Durchs Rathaus in den Landtag

Bürgermeister müsste man sein und man hätte nichts mehr zu arbeiten! Nicht, weil die bienenfleißigen Bediensteten mit den Hufen scharren, um ihrem Chef wieselflink jeden Bärendienst erweisen, sondern, weil die Bürgermeister vor Wahlen nur noch damit beschäftigt sind, Besucher zu empfangen. So zu beobachten vor einem Jahr in Baden-Württemberg. Der CDU-Landtagskandidat Konrad Epple etwa zog erfolgreich Woche für Woche Wochen von Amtszimmer zu Amtszimmer, immer im Amt, um am 27. März dann auch das Mandat zu erringen. Mit nur leichter Verspätung tat es ihm seine FDP-Kontrahentin Viola Noack nach.

Was viele nicht wussten: jeder Bürgermeister hat eine Wählerstimme – oder sogar zwei (je nach Wahl). Die Vorzimmerdamen mitgezählt, wäre die absolute Mehrheit praktisch sicher – wenn nicht die anderen Aspiranten schon vor dem Rathaus auf ihre Audienz warten würden. Die Masse der Wähler müsste das nicht tangieren, würden die Politiker nach ihrem Rathausbesuch nicht Mitteilungen wie diese mitteilten: „Der Kandidat bekräftigte, gerade die Gemeinden, die eben nicht auf der Sonnenseite stünden, haben seine besondere Aufmerksamkeit“ (Epple) oder „Viola Noack […] machte ihre Motivation und ihr ernsthaftes Interesse am Erreichen eines Mandats im Landtag deutlich“.

Dabei ginge das Ganze viel einfacher: Die Kandidaten lassen sich vor dem jeweiligen Rathaus fotografieren und schicken eine Standardmitteilung, die alles zusammenfasst: „Wählt mich.“

Von Daniel Völpel