Drei Könige sind tot, es leben die Spesenritter!

Aus gewöhnlich gut unterrichtenden Kreisen verlautete am Montag, dass der gewöhnlich gute Unterricht auch im Kreis Ludwigsburg wieder begonnen hat. Also weg mit Krone, Stern und schwarzer Schuhcreme: Leistung bringen statt Sternsingen, hieß es für die Schulkinder. Das sah am Wochenende noch ganz anders aus: Könige, wohin man blickte – und meistens gleich zu dritt!

Ungebremst ist Christian Wulffs Stern im Sinken begriffen, trotzdem machten der Bundespräsident und auch die Kanzlerin vor, was in dieser Woche erste Bürgerpflicht war: Gesängen und auswendig gelernten Texten der Sternsinger lauschen. Der Landesvater Winfried Kretschmann ließ sich anstecken und lauschte den Gesängen einer Gruppe aus der Ludwigsburger Gemeinde St. Paulus.

Selbst an Rathaustüren kannten die Könige keine Scheu und segneten diese kurzerhand mit Kreide, wie der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch per Pressemitteilung verkünden ließ: Er und einige Mitarbeiter hätten – man glaubt es kaum – „Gesängen und auswendig gelernten Texten“ gelauscht. Dafür gab Maisch den Kindern einen Korb, gefüllt mit Süßigkeiten. Schließlich stand die Aktion unter dem Motto „Klopft an Türen, pocht auf Rechte“. Und wie nötig es ist, tüchtig auf die Rechten zu pochen, zeigen doch die sekündlich neuen Enthüllungen zur Thüringer Neonazi-Terrorbande.

Beim Klopfen an Türen waren die Könige im Kreis sogar erfolgreicher als das Ludwigsburger Finanzamt. Gut 276 000 Euro sammelten sie ein. Das Amt kann sich dagegen nicht einmal Porto leisten, weshalb es keine Formulare für die Steuererklärung mehr verschickt. Steuerzahler müssten die Bögen bitteschön selbst abholen, teilte die Behörde dieser Tage mit. Ob Spesenritter diese Fahrkosten absetzen dürfen, muss der Bundesfinanzhof in einem Grundsatzurteil klären. Die Pflicht, seine Einkünfte zu erklären, bleibt jedenfalls bestehen, so das Finanzamt – Reisespesen von Bundespräsidenten ausgenommen.

Das Aussortieren schmutziger Elemente beherrscht der Ludwigsburger Filterhersteller Mann+Hummel besonders gut. Weil er nicht in der Spree, sondern im Amazonas im Trüben fischen will, hat er in der vergangenen Woche einen brasilianischen Wassersystemspezialisten geschluckt. Davon verspricht sich die Firma nach eigener Darstellung den „Marktzugang im brasilianischen Wassergeschäft“. Am größten Fluss der Erde wird das ein ziemlich großes Geschäft.

Wie man so große Geschäfte verrichtet, dürfte auch klamme Kommunen im Kreis interessieren. Wer als Bürgermeister einer reichen Stadt nicht gerade Königen die Tür öffnet, der empfängt dieser Tage das neue Jahr und verrät dabei selbst die tiefsten Tiefen seiner Tätigkeit: So beendete der Gerlinger Schultes Georg Brenner den Neujahrsempfang mit dem Bergmannsgruß „Glückauf für 2012.“ Damit kam ans Tageslicht, wie die Stadt ihr Geld macht: mit Anhydritabbau im Engelberg. Für das quellfähige Mineral zahlen Stuttgart-21-Gegner jeden Preis, um es im Schlossgarten zu vergraben und damit die Bahntunnel zu sprengen. Da können die heiligen drei Könige froh sein, dass sie noch die Schulbank drücken. Denn ein solch schmutziges Geschäft wie der Bergbau ist die Politik nicht nur im Schloss Bellevue.

Von Daniel Völpel