Die schönsten Fälscher des Nordens

Was niemand für möglich gehalten hatte, musste nach dem Zweiten Deutschen Fersehen (ZDF) nun auch der Norddeutsche Rundflunker (NDR) einräumen: TV-Abstimmungen werden manipuliert. Und zwar nicht durch Sympatie-Klicker und Daueranrufer, sondern von den Sendern selbst!

Der Skandal beim NDR übertrifft alle bekannten Praktiken aus den übelsten Diktaturen des Nordens: Unter anderem wurde bei „Die schönsten Gärten des Nordens“ der Elftplatzierte, der Hamburger „Planten un Blomen“ auf Rang zehn vorgezogen, der eigentlich dem Rhododendronpark Ammerland zugestanden hätte. Die Ammerländer, die mit 88 Klicks sieben mehr als die Hamburger erreicht hatten, erklärten kurz nach Bekanntwerden der Manipulationen ihre Autonomie von Niedersachen und den Anschluss an Russland. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin baten sie als lupenreinen Demokraten (Platz 1, „Europas lupenreinste Demokraten 2004„) um Flugabwehr-Raketen, um die mit den Niedersachsen verbündeten Niederländer vom Himmel fernzuhalten.

Noch verstörender stellen sich die Vorgänge um „Die schönsten OLYMPUS DIGITAL CAMERAMühlen des Nordens“ dar: Dort gelangte zunächst unerkannt ein Mühlenmuseum unter die Kandidaten, das dann beim Voting unterschlagen wurde. 89 Internet-Klicker fühlen sich nun um ihr Stimmrecht betrogen. Zum Vergleich: Selbst bei der Bundestagswahl blieben durch die Fünf-Prozent-Hürde lediglich rund sieben Millionen Stimmen unberücksichtigt. Gleichwohl blieben „Die langsamsten Mühlen der Justiz“ bislang untätig.

Am meisten schockiert zeigte man sich an Nord- und Ostsee über die Fälschung der Wahlergebnisse bei „Die spannendsten Seen Norddeutschlands“. Es gewann der Fernsee (im Bild der unmanipulierte Gewinner: der Bodensee). Und für „Die beliebtesten Komiker des Nordens“ wurde der gebürtige Neu-Ulmer und in Nürtingen aufgewachsene Harald Schmidt nicht etwa als Süddeutscher disqualifiziert, sondern unterschlagen, weil er nicht bildschirmtauglich war.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit bei der Eurovision (OSZE) hat angekündigt, Wahlbeobachter in alle deutschen Anstalten zu senden. Diese sollen bei Abstimmungen gegebenenfalls durch gezieltes Mitklicken oder Anrufen (49 Ct/Min. aus dem dt. Festnetz) Manipulationen ausgleichen.

Der Bundeswahlleiter erwägt nach eigener Aussage, auch das Ergebnis des TV-Duells Merkel-Steinbrück 2013 zu überprüfen. Aus der TV-Sendung war Angela Merkel (RTL) mit 17 zu 13 Klicks als Siegerin gegen Peer Steinbrück (WDR) hervorgegangen und damit als Bundeskanzlerin bestätigt worden.

Von Daniel Völpel