Die Karawane zieht weiter…

Auf die „Mietnomaden“ stürzten sich Anfang des Jahres 2010 die Hype-Journalisten. Darunter versteht man Nicht-Sesshafte, die einige Monate nach Einzug in eine Mietwohnung plötzlich den Turban aufsetzen, das Kamel aus der Tiefgarage holen und weiterziehen. Also unter den „Mietnomaden“, nicht den Hype-Journalisten. Meist hinterlassen sie haufenweise Kameldung, vergorene Kamelmilch und Kamelhaardecken, was den genügsam Wohnungsbesitzern als Ausgleich für entgangene Mietzahlung nicht reicht. Obwohl Kameldung ein sehr guter Wachstumsbeschleuniger für Blühpflanzen sein soll.

Der Hausbesetzerclub Haus+Grund warnt bereits vor Kamelstaus in deutschen Innenstädten, so massenhaft greife das Phänomen um sich. Der Mieterschutzbund macht dagegen auf eine weitere umtriebige Minderheit aufmerksam: Die Vermietnomaden. Ungleich schlimmer sei, was sie anrichten. Tatsächlich fand sich die Bewohnerschaft des 13-Parteien-Blocks Albrechtstraße 17 eines schönen Morgens ein einem großen Erdloch wieder, weil Vermietnomade Heinz B. (88kg) nachts heimlich mitsamt dem Gebäude ins benachbarte Ögelsdorf gezogen war.

Einzelfall? Allerdings! Aber nur einer von vielen: Vermietnomade Rüdiger R. (75C) wurde zu 80 Hieben mit der Kamelpeitsche verurteilt, weil er mit dem Reihenmittelhaus Schillerstraße/Ecke Gaddhafi-Boulevard innerhalb von sechs Monaten viermal den Standort gewechselt hatte. Aber der Staat handelt. So testet Baden-Württemberg derzeit die elektronische Fußfessel. 139 Kamele erhielten das Elektroband ans linke Vorderbein. Sobald sich Fessel und Gebäude mehr als 50 Meter von einander entfernen, schlägt es Alarm – egal, wer nomadisiert. Die Landtagsabgeordneten zeigten sich begeistert von der Effektivität des Systems. Nur einige beleibtere klagen über Druckstellen am Fuß.

Von Daniel Völpel