Baumschüler feiern Abschluss

Ihre Schulkarriere endet abgehackt, dennoch haben die Abgänger der Lothar-Kyrill-Baumschule bei ihrer Entlassfeier nach neun Jahren sturen Zellstoff in sich Aufnehmens allen Grund zu feiern. Am Abend finden sich daher alle Absolventen mit ihren Anhängern zur feierlichen Übergabe der Abstammungsurkunden ein. Die Damen tragen 20131218_143701weiße Netzkleider unter ihren Kugeln, die Herren protzige Lichterketten und Holzfällerhemden, die sogar Hänge-Lärche verdecken.

Nach dem traditionellen Anzapfen des frisch zypressten Wachholder erhalten die Jahrgangsbesten eine Ehrennadel. Ihnen winkt eine Karriere im Sägewerk. Anschließend lobt der Rektor seine Eibengewächse. Kaum einer muss damit rechnen, sich als Harzer durchs Leben schlagen zu müssen. Meist direkt nach ihrem Grußwort rauscht Signora La Metta, die Leiterin der Zweigstelle, in ihrem Forst Taunus davon. Zum Höhepunkt der Feier singen die Schüler der Unter-Kiefa „Oh Tannenbaum“ vom Blatt, worüber sich die ganze Gesellschaft einen Ast lacht.

Nachdem die Feiern der letzten Jahre auf den letzten Festmetern in einem Sturm des Übermuts abbrachen, gilt diesmal höchste Sicherheitsstufe. Denn einige Absolventen reagieren triebgesteuert, wenn sie einen Ständer haben. Die Försterei zedert bereits, dass manche ausschlagen könnten und sich wie die Axt im Walde benehmen, wenn sie einen in der Krone haben, und rechnet mit einer unheiligen Nacht. Sie will daher diesmal alle Föhrenfriede bei der Wurzel packen.

Von Daniel Völpel