Bahnstopp am Bauhof

Wäre das Wort des Jahres eine Zahl, dann wäre die 21 ein heißer Anwärter. Keine Zahl hat die Deutschen ihren Bahnhöfen so nahe gebracht wie die 21, noch mehr als Gleis 16, 75 Minuten Verspätung oder 2. Klasse. Kein Bürgermeister kommt ums Baubekenntnis herum. Schon gar nicht in der Region Stuttgart, selbst in der kleinen Gemeinde wie Hemmingen. Dort verkündete der Bürgermeister: Er werde den örtlichen Bahnhof nicht abreißen. Damit lehnte er ein Angebot der Bahngesellschaft WEG ab, die gerade die Hemmingen passierende Strohgäubahn auf der Magistrale Heimerdingen-Korntal zum Hochgeschwindigkeitszügle ausbaut – mit einer Zeitersparnis von 21 Minuten (hin und zurück).

Die Strafe für diese Modernitätsverweigerung folgte auf dem Schienenfuß, nun wird Hemmingen zum Haltepunkt heruntergebaut, worin das wahre Konzept fürs 21. Jahrhundert liegt: Für Fahrgäste wird damit alles einfacher. Egal, wohin sie möchten, sie stehen immer am selben Bahnsteig. Weitere Vorteile liegen auf dem Schotter: Man muss keine Bahnsteige unter die Erde verlegen, sondern sie nur deren Boden gleich machen. Und für verkehrsreiche Zeiten bleibt die Option, den Haltepunkt mit einem zweiten Bahnsteig wieder zu einem Bahnhof auszubauen.

Bis dahin hat die Hemminger SPD mit ihrem Vorschlag noch Chancen, im Bahnhof Hemmingen eine öffentliche Toilette einzurichten – vorausgesetzt, diese besteht den inzwischen üblichen Bahnhofsstresstest: 30 Prozent mehr Spülungen in der Spitzenstunde mit anschließender Volksabstimmung. Wenn dafür 21 Kabinen nötig sind, bleibt für die Wirtschaft genug hängen. Die muss mit Bahnaufträgen schließlich einiges durchmachen.

Von Daniel Völpel